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In Deutschland wird die Kapazität für die Müllablagerung allmählich knapp. Nach aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamts werden bis 2032 mehr als die Hälfte der derzeit noch in Betrieb befindlichen 1001 Deponien ihre vorgesehene Betriebsdauer erreichen und schließen. Dies könnte die verbleibende Deponiekapazität um knapp ein Drittel auf etwa 300 Millionen Kubikmeter reduzieren, es sei denn, bestehende Deponien werden erweitert oder neue gebaut. Besonders betroffen von einem drohenden Entsorgungsnotstand ist die Baubranche, die mehr als die Hälfte der in Deutschland anfallenden Abfälle produziert.
Auswirkungen der Ersatzbaustoffverordnung
Verstärkt werden die Sorgen durch die seit einem Jahr geltende Ersatzbaustoffverordnung (EBV), die eigentlich die Aufarbeitung und Wiederverwendung von Bauschutt und Bodenaushub fördern sollte. Doch laut einer Umfrage von Bau- und Recyclingverbänden hat die Verordnung möglicherweise das Gegenteil bewirkt: Nur 5 Prozent der befragten Unternehmen gaben an, dass seither mehr recycelt werde. 42 Prozent erklärten, dass weniger für die Wiederverwendung aufbereitet werde als zuvor. Dadurch bleibt oft nur die Deponierung als Option, was die Kapazitätsprobleme weiter verschärft.
Geringe Nachfrage nach Recycling-Baustoffen
Ein weiterer Aspekt ist die geringe Nachfrage nach Recyclingmaterialien. Viele Bauherren, darunter auch Behörden, bevorzugen Primärbaustoffe. Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands des Deutschen Baugewerbes (ZDB), fordert, dass sich Länder und Kommunen zum Bauen mit Recyclingmaterialien verpflichten. Der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie kritisiert ebenfalls, dass ein Jahr nach Inkrafttreten der Ersatzbaustoffverordnung weniger recycelt und mehr Rohstoffe auf Deponien entsorgt werden, während die Kosten für alle Beteiligten gestiegen sind.
Komplexe Vorschriften und mangelnde Umsetzung
Die Vorschriften der Ersatzbaustoffverordnung sind laut Branchenexperten außerordentlich kompliziert, was die Umsetzung erschwert. Katrin Mees, Geschäftsführerin der Bundesgemeinschaft Recycling-Baustoffe, berichtet, dass selbst Behörden oft schlecht informiert seien und bei der Umsetzung der EBV-Vorgaben wenig Unterstützung bieten könnten. Die Situation ist besonders in Bundesländern mit hoher Bautätigkeit und begrenzten Deponiekapazitäten angespannt, wie zum Beispiel in Bayern und Hessen.
Dringender Handlungsbedarf
In Bayern müssen Bauabfälle teilweise bis nach Thüringen transportiert werden, um entsorgt zu werden, was die Kosten und den logistischen Aufwand erhöht. Die Deponiekapazitäten sind seit Jahren ein Thema in Fachkreisen. Vor zwei Jahrzehnten gab es in Deutschland noch über 2000 Deponien mit 668 Millionen Kubikmetern Restvolumen. Bis 2032 wird weniger als ein Viertel dieser Deponien noch verfügbar sein.
Das Bundesumweltministerium hat bisher keine Hinweise darauf, dass die Ersatzbaustoffverordnung die Recyclingquote senkt. Eine erste Evaluierung der Verordnung soll bis August 2025 vorliegen. Das Abfallrecht liegt in der Zuständigkeit der Länder, die daher auch für die Planung von Ersatzkapazitäten verantwortlich sind. Allerdings sieht die Bau- und Recyclingwirtschaft hier in vielen Ländern Nachholbedarf.
Gesellschaftliche Akzeptanz von Deponien
Neue Deponien sind gesellschaftspolitisch schwer durchsetzbar. Der Bauindustrie-Verband fordert daher eine Bund-Länder-Deponiestrategie, um dieses Problem anzugehen. Ein drohender Deponienotstand wäre ein bundesweites Thema, das nicht nur die Länder betreffen würde.
Das Umweltbundesamt führt derzeit ein Forschungsprojekt zur Technik der Abfallablagerung durch, bei dem auch die Deponiekapazitäten untersucht werden. Erste Ergebnisse werden 2025 erwartet.
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